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Tierwohl-Label soll spürbar höhere Standards garantieren

Erschienen am 25.04.2017
Ein Siegel soll Kunden künftig signalisieren, wenn Tiere im Stall bessere Bedingungen hatten. Nun legt Agrarminister Christian Schmidt
(CSU) Kriterien vor, die Bauern erfüllen sollen. Kritikern reicht das ganze Konzept nicht aus.

Berlin (dpa) - Das geplante staatliche Tierwohl-Label für Fleisch im Supermarkt soll spürbar höhere Anforderungen in der Schweinehaltung garantieren. Bereits in der Eingangsstufe sollen die Kriterien über gesetzliche Standards und auch über eine bestehende Tierwohl-Initiative von Handel und Landwirtschaft hinausgehen, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) am Dienstag in Berlin.
Dadurch sei mit Preisaufschlägen von etwa 20 Prozent zu rechnen.

Das Siegel soll zudem eine «Premiumstufe» mit höheren Anforderungen bekommen. Erste Betriebe könnten wohl 2018 zertifiziert werden. Einen Gesetzentwurf dafür will Schmidt bis zur Bundestagswahl im Herbst noch vorstellen.

Bauern, die das freiwillige Label nutzen möchten, müssen sämtliche Anforderungen der jeweiligen Stufe erfüllen. Unter anderem muss das Platzangebot für Schweine in der Eingangsstufe um bis zu 33 Prozent größer sein als vorgeschrieben, in der Premiumstufe um 70 bis 100 Prozent. In engeren Kastenständen dürfen Sauen nur vier Tage gehalten werden, gesetzlich zulässig wären vier Wochen. Ferkel müssen mindestens vier Wochen Säugezeit bei der Mutter haben, gängig sind laut Ministerium meist drei Wochen.

Schmidt betonte, es gehe ihm bei den Kriterien nicht um einen «olympischen Wettbewerb» des Größer, Schöner und Weiter. Sie müssten vielmehr auch realistisch umsetzbar seien. Ziel sei ein Label für den breiten Markt «und nicht nur für die Nische». Verbraucher seien bereit, mehr für Fleisch zu zahlen, das von Tieren aus besserer Haltung stammt. Bei Bauern, die in ihre Ställe investierten, müsse jedoch kalkulierbar mehr Geld ankommen. Über die Instrumente dafür sei noch nicht entschieden. Bei der existierenden «Initiative Tierwohl» der Branche zahlen Handelsketten in einen Fonds ein, aus dem freiwillig teilnehmende Landwirte honoriert werden.

Schmidt hatte das Label im Januar bei der Agrarmesse Grüne Woche vorgestellt. Starten soll es für frisches Fleisch vom Schwein. Wann erste Produkte in die Läden kommen können, hängt von der weiteren Umsetzung ab. Bauern und die Verbraucherzentralen unterstützen die Pläne grundsätzlich, Kritikern gehen sie nicht weit genug.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch mahnte gesetzliche Vorgaben an, «damit alle und nicht nur einige wenige Nutztiere tiergerecht gehalten werden». Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff forderte:
«Wir brauchen eine verpflichtende Haltungskennzeichnung wie bei den Eiern.» Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten kritisierte mangelnde Informationen des Ministeriums und betonte: «Wo Tierwohl drauf steht, muss auch Tierwohl drin sein.»