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Nach H5N5-Nachweis: Minister fürchtet zweite Seuchenwelle

Erschienen am 31.01.2017
Der aggressive Geflügelpest-Erreger H5N5 beunruhigt Tierhalter und Politik. Maßnahmen gegen die neue Variante sind in vollem Gange.
Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister befürchtet eine neue Seuchen-Welle.

Süderau/Kiel (dpa) - Nach dem ersten Nachweis einer neuen Variante der Geflügelpest bei Zuchttieren befürchtet Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck eine neue Seuchenwelle. «In den USA gab es 2014/15 während der Geflügelpest ein verändertes Virus», sagte der Grünen-Politiker am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.
Ausgehend davon sei es zu einer zweite Welle von Ausbrüchen gekommen.
«Meine Sorge ist, dass es auch hier eine neue Welle geben kann», so Habeck. «Wir müssen die Entwicklung genau beobachten und die Tierseuche konsequent bekämpfen.»

Unterdessen liefen im betroffenen Kreis Steinburg die Gegenmaßnahmen auf Hochtouren. «Wir ziehen zusätzliche Tierärzte heran, um umfangreiche Beprobungen auch in weiteren Betrieben im Sperrgebiet vorzunehmen», sagte Landrat Torsten Wendt.

Bisher wurde der sehr aggressive Erreger des Subtyps H5N5 in zwei Haltungen eines Betriebes in Süderau mit insgesamt 18 400 Puten nachgewiesen. Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist mit der Variante genauso umzugehen wie mit dem bisher aufgetretenen und ebenfalls hochpathogenen Subtyp H5N8. Der H5N5-Subtyp war bisher nur bei einigen Wildvögeln in Europa nachgewiesen worden. Übertragungen auf den Menschen sind wie bei H5N8 nicht bekannt.

Aus der ersten Haltung wurden mittlerweile alle Puten getötet, die nicht ohnehin schon an der Seuche gestorben waren. Von 3400 Tieren waren die ersten am Samstag verendet, binnen 48 Stunden war mehr als die Hälfte des Bestandes tot. Die Tötung aller Puten aus dem zweiten Bestand mit 15 000 Tieren lief am Dienstagmorgen an. Auch in diesem Stall waren viele Puten bereits am Virus verendet.

Die Herkunft des Vogelgrippevirus H5N5 ist den Wissenschaftlern am Friedrich-Loeffler-Instituts noch unbekannt. Er sei H5N8 sehr ähnlich, sagte Institutssprecherin Elke Reinking. «Beides sind hochpathogene Viren.» Bei der neuen Variante handle es sich wahrscheinlich um ein Mischvirus auf der Basis von H5N8. Mischviren entstehen demnach, wenn ein Tier zeitgleich von Viren zweier verschiedener Subtypen infiziert ist, die ihr Erbmaterial austauschen.

Im Dezember hatte es nach FLI-Daten erste H5N5-Befunde bei Wildvögeln in den Niederlanden, Montenegro, Kroatien und Albanien gegeben. Auch bei einer verendeten Nonnengans in Brunsbüttel wurde das Virus nachgewiesen. Die Wildgans war etwa 30 Kilometer von dem nun betroffenen Putenzuchtbetrieb im Kreis Steinburg entfernt gefunden worden. Wie das Virus in die zwei geschlossenen Anlagen des Betriebes kam, ist noch unklar.

Das Institut will jetzt mit Infektionsversuchen Unterschiede zum Typ H5N8 feststellen und herausfinden, wie und wo H5N5 entstanden ist und auf welchen Wegen es sich verbreitet hat. An der bisherigen Risikoeinschätzung ändere sich vorerst nichts. Das Eintragsrisiko in Hausgeflügelbestände in Deutschland sei weiter sehr hoch und eine Entspannung nicht in Sicht, betonte Reinking.