Ein Baum wächst zum Weihnachtsbaum: Zehn Jahre bis zum Fest - Spiegel Landtechnik GmbH

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Ein Baum wächst zum Weihnachtsbaum: Zehn Jahre bis zum Fest

Erschienen am 29.11.2016
Bald werden in deutschen Wohnzimmern wieder Millionen festlich geschmückte Weihnachtsbäume aufgestellt. Vor seinem glänzenden Finale wächst so ein Bäumchen rund zehn Jahre auf zwei Plantagen. Der Weg der beliebten Nordmanntannen beginnt im fernen Kaukasus.

Karl-Heinz Frank fährt mit den Händen vorsichtig prüfend über die Äste einer kleinen Nordmanntanne. An einem trüben Novembernachmittag stiefelt der drahtige Mann durch ein ganzes Meer mannshoher und vom Regen tropfender Weihnachtsbäume. Mehr als 4000 Stück seien es geschätzt auf diesem Feld, sagt der 50-Jährige, der seit zwei Jahrzehnten in Karlsruhe Christbäume anbaut. Auf seiner Plantage am Rand der Stadt gibt es neben Blaufichten vor allem Nordmanntannen.

Drei Viertel aller Weihnachtsbäume in deutschen Wohnzimmern seien Nordmanntannen, sagt Hans-Georg Dreßler vom Bundesverband der deutschen Weihnachtsbaumerzeuger. Die Kunden lieben sie, weil ihre weichen Nadeln nicht stechen und nicht so schnell abfallen.

Bis der durchschnittliche Zwei-Meter-Weihnachtsbaum im Wohnzimmer steht, dauert es nach Franks Angaben rund zehn Jahre. Die Setzlinge kommen aus Georgien. «In den Höhenlagen des Kaukasus müssen die Zapfen aus bis zu 60 Meter hohen Nordmanntannen geerntet werden», weiß er. Dann wachsen sie etwa drei Jahre lang in Baumschulen. Von dort geht die Reise auf die Plantagen, wo es noch einmal rund sieben Jahre dauert, bis die Pflanzen Zimmerhöhe erreichen.

«Es steckt tatsächlich mehr Mühe dahinter als man denkt», sagt Frank, der mit Schirmmütze und leuchtend orangefarbener Jacke aus dem weiten Grün heraussticht. Hauptberuflich arbeitet er als Mechaniker, die Weihnachtsbäume sind ein Nebenverdienst. Er habe damals eine Alternative zur herkömmlichen Landwirtschaft gesucht. Der Anbau von Weihnachtsbäumen habe sich für ihn bewährt, sagt der 50-Jährige.

Der April sei die Zeit, Setzlinge zu pflanzen, später würden die Bäume gedüngt und immer wieder geschnitten. Das sei wichtig für einen gleichmäßigen Wuchs. Vögel dürften in den Bäumen zwar nisten, erklärt Frank. «Damit sie aber in den Kronen keine Äste abbrechen, gibt es dort spezielle Vogelstäbe, die sie fernhalten.»

Frank besitzt eine von rund 3000 Christbaumplantagen, die es nach Angaben des Erzeuger-Verbandes in Deutschland gibt. Im vergangenen Jahr kauften die Menschen im Land rund 29,3 Millionen Weihnachtsbäume, etwa 100 000 mehr als 2014. Gründe für den Zuwachs seien die steigende Zahl von Single-Haushalten und der Trend zum Zweitweihnachtsbaum auf dem Balkon, sagt Ursula Geismann vom Hauptverband der deutschen Holzindustrie. Rund 30 Prozent der Bäume kommen nach Geismanns Angaben aus Skandinavien und Osteuropa, der Rest überwiegend von heimischen Plantagen.

Weihnachtsbaumplantagen seien mit einem natürlichen Wald nicht zu vergleichen, sie würden mit Dünger und Pestiziden behandelt, sagt ein Sprecher des Nabu (Naturschutzbund Deutschland). Nach Dreßlers Angaben ist die Düngerbelastung aber gering, da die Bäume sonst zu schnell wachsen würden.

Auf Franks Plantage ist die Arbeit Mitte November richtig losgegangen. Jetzt werden dort fertig geschnittene Bäume verkauft, man darf sie aber auch selbst absägen. «Das ist vor allem für Familien ein Erlebnis», sagt Franks Mitarbeiterin Alexandra Pallmann.