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Das Land in Berlin - Bauern mit Hoffnung zur Grünen Woche

Erschienen am 17.01.2017
Die Grüne Woche ist für viele ein großes Schlemmen. Die Ernährungsbranche baut zum Jahresauftakt wieder auf bessere Geschäftsaussichten. Aber auch Kritiker gehen an den Start.

Nehmen wir zum Beispiel die Warzenente. Wächst schnell, quakt nicht, hat mageres Fleisch. Doch wer kennt sie überhaupt? Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Städte. Selbst verbreitete Nutztiere wie Schweine, Rinder oder Puten nehmen viele erst wahr, wenn das Fleisch auf dem Teller liegt.

In Berlin gibt es jedes Jahr eine großangelegte Ausnahme: Auf der Grünen Woche sind Hunderte Tiere zu sehen - von unscheinbaren Warzenenten bis zum schweren Zuchtbullen. Die Ernährungsbranche hofft zum Start ihrer Leitmesse am Freitag (20. Januar) auf wirtschaftliche Lichtblicke.

Vielen deutschen Landwirten stecken inzwischen zwei Krisenjahre mit geschrumpften Gewinnen in den Knochen. In wichtigen Sektoren könnte die Talsohle aber durchschritten sein, heißt es beim Bauernverband.
«Die Hoffnungen liegen auf wieder stabileren internationalen Agrarmärkten in der ersten Jahreshälfte 2017.»

Denn längst müssen die Betriebe damit zurechtkommen, dass globale Schwankungen hart auf die Geschäfte durchschlagen können. So bekommen Getreidebauern mittlerweile wieder mehr pro Tonne Weizen oder Gerste.
Rekordernten in den USA und Russland drücken aber schon auf die Preise.

Aufwind verspüren dagegen Bio-Bauern, die zuletzt sogar höhere Gewinne einfuhren. Das befeuert den Streit über die Ausrichtung der Landwirtschaft, der im Bundestagswahljahr 2017 noch schärfer werden dürfte. Kritiker von Massentierhaltung und Agrarexporten sehen sich bestätigt und wollen in Berlin auf die Straße gehen: für eine Wende der Landwirtschaft, fairen Handel und gegen große Agrarkonzerne. Der Demo unter dem Motto «Wir haben es satt» wollen Landwirte wieder eine Kundgebung unter dem Motto «Wir machen Euch satt» entgegensetzen.

Viele Impulse von Kritikern haben die Messe zu ihrer 82. Auflage schon erreicht. «Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft», heißt etwa eine Schau des Bundesagrarministeriums, die verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen ins Zentrum stellt. Das Entwicklungsressort legt in den Hallen ein Reisfeld an, um über Ernährungssicherung in Afrika zu informieren.

Am Rande der Grünen Woche will Agrarminister Christian Schmidt (CSU) mit Kollegen aus aller Welt über die große Bedeutung des Wassers im Kampf gegen den Hunger beraten. Er lädt auch noch zu einem G20-Treffen der großen Industrie- und Schwellenländer.

Den Verbrauchern will die Branche den Weg ihrer Nahrung von Stall und Acker auf die Teller veranschaulichen. «Wir sind das Schaufenster», sagt Messesprecher Wolfgang Rogall. Vielen der mehr als 400 000 erwarteten Besucher geht es nicht zuletzt ums Probieren. Sei es Tokajer-Wein aus dem diesjährigen Partnerland Ungarn, Schwarzwälder Schinken oder koreanische Pfannkuchen und Craft Beer in einer neuen Street-Food-Halle: An den 1600 Ständen der Aussteller aus rund 65 Ländern locken diverse Genüsse.

Dabei interessieren sich Supermarktkunden zusehends dafür, unter welchen Bedingungen Tiere leben. Schmidt will daher zur Messe ein neues staatliches Tierwohl-Label präsentieren, das höhere Standards verbürgt. «Das soll in die Breite gehen», kündigt er dazu schon an.

Fehlen wird erneut der einst größte Aussteller. Russland hat sich zum zweiten Mal in Folge nicht angemeldet. Als Antwort auf EU-Sanktionen in Folge des russischen Einmarsches in die Ukraine blockt Moskau europäische Agrareinfuhren weiterhin ab, was auch deutschen Bauern zu schaffen macht - baldige Entspannung unwahrscheinlich.

Dafür springt die wichtige Nachfrage in China an, was Schweinehaltern und Milchbauern bessere Preise bringt. Das kommt teils auch bei den Verbrauchern an. Einen Liter Milch zum Spottpreis von 42 Cent gibt es in den Kühlregalen vieler Supermärkte derzeit jedenfalls nicht mehr.